Warum Wortwahl und Leitkonzepte so wichtig sind

Worte formen unsere Vorstellung und unseren Fokus in der Realität. Auf die eigene Wortwahl zu achten, ist daher wichtig, denn diese gestaltet unsere Wahrnehmung der Welt.

Im Bereich der Erziehung und Paarberatung möchte ich mich heute zwei Beispielen widmen, die die aktuelle Diskussion widerspiegeln.

Getrennterziehen – der Wahrheit näher als Alleinerziehen

In der Tat gibt es eher wenige tatsächlich alleinerziehende Elternteile. Darunter kann man genau genommen nur diejenigen verstehen, deren Partner tatsächlich im Leben der Kinder nicht mehr präsent sind. Bei allen anderen getrennten Elternpaaren sollte man genauer sein und davon sprechen, dass hier getrennt erzogen wird. Beide Partner haben ja Anteile an der Kindererziehung, wie auch immer dies zeitlich und in der Intensität ausgestaltet ist. Die Unterscheidung ist wichtig, denn sie rückt die Elternschaft als gemeinsame Aufgabe und Verpflichtung in den Mittelpunkt. Daran knüpft sich eine Grundeinstellung, die für alle Folgefragen erzieherischer, rechtlicher und politischer Natur wichtig ist. Es signalisiert eine klare Hinwendung zu einem Modell, dass betont, dass das Ende der Partnerschaft ganz selbstverständlich nicht das Ende der gemeinsamen Erziehungsaufgabe ist.

Wechselmodell als Regelidee

Daran anknüpfend wirkt die Idee des Wechselmodells, d.h. die Leitidee, dass Kinder bei beiden Eltern eine Anbindung haben sollen, die sich auch im Alltag zeigt. Bei der Trennung ist damit ein Wegziehen außerhalb der Reichweite des Lebensumfeldes der Kinder (Kita, Schule) ganz selbstverständlich ausgeschlossen. Es wird, basierend auf dem Konzept der gemeinsamen elterlichen Verantwortung, davon ausgegangen, dass die Kinder im Wechselmodell erzogen werden. Im Wechsel nehmen die Kinder am Alltag, Wochenende und Ferien beider Elternteile teil. Die Belastung durch die Trennung der Eltern als Paar wird dadurch so gering wie möglich gehalten. Beide Bindungspartner bleiben den Kindern erhalten.

Die selbstverständliche Benutzung dieser beiden Worte und Modelle spiegelt unsere moderne Erziehungswelt bestmöglich wider und erlaubt uns eine Öffnung hin zu Lösungen, die in älteren, eher patriarchalisch geprägten Modellen als Ausnahme und Besonderheit gegolten haben.

Für alle, die in Trennungssituationen Unterstützung suchen, möchte ich bereits jetzt den „Praxisratgeber Wechselmodell“ von Hildegund Süderhauf und Katharina Kravets empfehlen, der am 31. Januar 2020 erscheint. Vorbestellung ist bereits möglich auf Amazon.

Ich finde die Diskussion um die verschiedenen Erziehungsmodelle und die derzeitige gesetzgeberische Planung spannend und bin für Diskussion und weitere Anregungen dazu offen.

2 Gedanken zu “Warum Wortwahl und Leitkonzepte so wichtig sind

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