Die ungeliebte Paarberatung

In der Praxis tritt immer wieder die Situation auf, dass einer der Partner in der Beziehung einen Veränderungsbedarf hat und diesen einfordert. Die andere Seite nimmt dann eher die Position des Blockierenden ein. Gerade bei der Frage, ob man als Paar zu einer Paarberatung gehen soll oder lieber nicht, verhärten sich leider häufig die Fronten.

Oft gibt es an diesem Punkt schon eine Vorgeschichte von Unzufriedenheiten, Missverständnissen, Reibereien oder Irritationen. Es ist nicht gelungen, allein und selbst im Gespräch eine positive Veränderung zu erreichen. Dadurch verstärkt sich der Konflikt. Eine Paarberatung kann genau hier ansetzen und mit Unterstützung neue Einsichten und Ideen in verhärtete Positionen zu bringen.

Ein Teil des Paares, oft die Frau, macht dann den dahingehenden Vorschlag, der selten gerne angenommen wird. Die Beratung wird häufig als Bedrohung angesehen, manchmal auch als Makel. Dabei holen wir uns in allen anderen Situationen, in denen wir nicht weiterkommen, gerne die Unterstützung von Spezialisten.

Unsere Beziehungen sind heutzutage einer Vielzahl von Herausforderungen ausgesetzt, die wir selten allein zu lösen im Stande sind und die wir auch nicht alleine lösen müssen. Der Gang zur Beratung ist daher eigentlich eher normal als ungewöhnlich, wenn man das Ziel hat, die Beziehung modern und dynamisch zu gestalten.

Die Auseinandersetzung mit der Beziehung ist eine große Chance in Bezug auf den Grad der Intimität, den ich in der Beziehung herzustellen vermag, und auch in Bezug auf mein persönliches Wachstum als Mensch. Es ist eine Investition in die Beziehung, ein Luxus vielleicht, aber ist die Beziehung nicht meine Priorität?

Meine Paarbeziehung ist mein täglicher Lebensraum, meine eigene Biosphäre. Ich sollte ein Interesse haben, diese so klar und rein zu halten wie möglich. Leider wird häufig mehr in die Wartung des Autos investiert als in die Wartung der Beziehung. Ich spreche hier nicht in erster Linie von Geld, sondern von Zeit und Aufmerksamkeit.

Wenn dein Partner, deine Partner*in nicht bereit ist, auf deine Irritation zu reagieren und gemeinsam auf Lösungssuche zu gehen, dann stellt sich die Frage, ob diese Beziehung die richtige für dich ist. Ich bin davon überzeugt, dass alle einen Anspruch auf eine Beziehung haben, in der es beiden gut geht, wo beide sich anerkannt und gewürdigt, sicher und geliebt fühlen. Lass dich nicht auf weniger ein.

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